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Wie jetzt bekannt wurde, sind in einer Grotte bei Mettmann im Neandertal neue Fossilien des als Neandertaler bezeichneten nahen Verwandten des Menschen aufgetaucht. Im Jahre 1856 wurden an gleicher Stelle die ersten Knochen der bis dahin unbekannten Spezies entdeckt. Die Fundstelle wurde jedoch im Zuge des industriellen Kalkabbaus verschüttet und galt lange Zeit als unauffindbar. Wie Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal-Museums berichtete, haben Archäologen die Stelle im vergangenen Herbst jedoch nach einer außerordentlich detektivischen Leistung wiederentdeckt. Die Mühe hat sich gelohnt: Die Forscher konnten in der Grotte insgesamt 20 neue Knochenstücke bergen.
Zu den Fundstücken gehören Splitter von Oberarmknochen, Backenzähne, Zehenknochen, sowie Wirbel- und Rippenstücke. Ein Oberschenkelknochen gehört offenbar zu dem vor 143 Jahren aufgefundenen Skelett. Eine radiologische Untersuchung ergab für die Fundstücke ein Alter von etwa 40000 Jahren. Weniger kündigte an, daß die Knochenreste demnächst auf einer Sonderausstellung zusammen mit allen bisher in Deutschland aufgefundenen Reste von Skeletten des Neandertalers ausgestellt werden. Im März soll im Museum zudem ein internationales Expertentreffen stattfinden, um die neuen Funde zu begutachten.
Der Neandertaler war ein Abkömmling des Homo erectus und lebte vor etwa 130 000 bis vor rund 35000 Jahren in Europa, dem Mittleren Osten und Teilen Asiens. Trotz dieses großen Verbreitungsgebietes umfaßte die Population in der Regel wohl nur wenige tausend Individuen. Im Vergleich zu uns besaßen die Neandertaler etwas massigere Überaugenwülste, ein weniger vorspringendes Kinn und ein größeres Gehirn. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, daß der Neandertaler über die Fähigkeit zum abstrakten Denken verfügte. Funde beweisen, daß die Eiszeitmenschen geschickte Werkzeughersteller waren und Rituale wie zum Beispiel Begräbnisse feierten. Ein Großteil der gegenwärtigen Forschung konzentriert sich auf die Frage, ob Neandertaler die für eine Sprachartikulation notwendigen anatomischen Voraussetzungen besaßen.
Wie genetische Analysen vor kurzem enthüllt haben, ist der Neandertaler kein Vorfahre des modernen Menschen. Demnach ist der Überlebenskünstler trotz seiner beachtlichen Fähigkeiten ausgestorben. Möglicherweise war die zunehmende Verbreitung des modernen Menschen der Grund für sein Verschwinden.