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01.02.1999Kreuzung aus Rakete und Helikopter    

Ein Flugkörper namens "Roton", der beim Starten wie eine Rakete abgeht, nämlich senkrecht abhebt, und wie ein Helikopter zielgenau landen kann, soll die Reise ins All revolutionieren. Vorläufig sind als Passagiere allerdings nur Satelliten vorgesehen, deren Transportkosten in den Orbit auf diese Weise deutlich gesenkt werden sollen. Im März soll ein erster Prototyp den Erfolg des neuen Konzepts beweisen. Das sogenannte "atmosphärische Test-Vehikel" (ATV) soll vor allem das einzigartige Landesystem erproben: vier Hubschrauberblätter, jeweils 7 Meter lang, sollen für eine weiche Landung sorgen. Verlaufen die Tests erfolgreich, dann könnte der erste Roton bereits im kommenden Jahr ins All abheben, so Gary Hudson von der kalifornischen Herstellerfirma Rotary Rocket Company.

Das Geheimnis des erwarteten Erfolgs wird dem niedrigen Gewicht und ungewöhnlichen Design des Roton zugeschrieben. Sein konischer Körper besteht aus leichtem Graphit-Komposit-Material statt aus Aluminium. Auch fehlen schwere Turbopumpen, die üblicherweise Treibstoff in den Raketenmotor befördern – weil der gesamte Motor sich dreht: Sechsundneunzig Verbrennungskammern sind am Rand einer Scheibe von 7 Metern Durchmesser angebracht, die es auf 720 Umdrehungen die Minute bringt. Dabei werden Treibstoff und Sauerstoff aus den Tanks im Inneren des Rotons mit Hilfe der Fliehkraft nach außen in die Verbrennungskammern befördert. Und um das Vehikel nach dem Flug wiederverwenden zu können, landet es sanft mittels Rotorkraft.

Im Laufe des kommenden Jahres sind rund zehn bemannte Flüge über der kalifornischen Mojave-Wüste vorgesehen, um die Rotoren und das Landesystem zu testen. Obwohl dem ATV noch der Raketen-Dreh-Motor fehlt, um ins All zu gelangen, kann es doch aus eigener Kraft starten, dank kleiner Schubraketen an den Spitzen der Rotoren. Diese treiben den Rotor schnell genug, um wie ein Helikopter abheben zu können. Sie liefern etwa fünf bis zehn Minuten Schub und machen das ATV zum größten, jemals gebauten, "spitzen-getriebenen" Helikopter , so Hudson.

Falls die Tests beweisen, daß der Roton abheben und schweben kann, soll er bis in eine Höhe von 2000 Metern geflogen werden. Dort schaltet man die Schubraketen ab und es geht wieder abwärts. Der Luftstrom soll die Rotoren in Bewegung halten und genug Auftrieb schaffen, um den Sinkflug leicht zu bremsen. Kurz über dem Boden optimiert der Pilot den Winkel der Rotorblätter für maximalen Auftrieb und verlangsamt so die Abwärtsbewegung auf rund einen Meter pro Sekunde. Dann wirft er auch die Schubraketen wieder an, so Hudson, um für einige Sekunden über dem Boden zu schweben, bevor er sanft aufsetzt. Über die kommenden 18 Monate plant die Rotary Rocket Company den Bau von drei weiteren Rotons: ein Trainingsvehikel ohne Raketenmotor und zwei komplette Flugkörper für den Einsatz im Orbit ab dem Jahr 2000.


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