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20.01.1999Mini-Satellit soll den Mond erforschen    

Mit einem Minisatelliten wollen europäische Wissenschaftler und Studenten auf dem Mond nach Wasser suchen. Der nur rund 100 Kilogramm schwere Satellit "LunarSat" soll in die Umflaufbahn des Erdtrabanten fliegen und an dessen Südpol nach Wassereis forschen. Unter anderen arbeiten auch etwa 25 Münchner Maschinenbauer seit einem Jahr mit jungen Wissenschaftlern aus ganz Europa an dem ehrgeizigen Projekt. Im April entscheidet die Europäische Raumfahrtagentur ESA, ob die hochfliegenden Träume für rund 25 Millionen Mark Wirklichkeit werden.

Mit einer Größe von 60 mal 60 mal 80 Zentimetern ist der orbitale Zwerg etwa so groß wie eine Umzugskiste. Als Trittbrettfahrer soll er am Fuß der europäischen Rakete Ariane V Richtung Mond reisen. Das senkt die Kosten für den Transport auf rund eine Million Mark. "Im Gegensatz zu den üblichen Preisen ist das Projekt sehr günstig", sagt Peter Eckart, Assistent beim Fachgebiet Raumfahrttechnik der Technischen Universität München. Er gehört zu den jungen Wissenschaftlern, die seit Monaten an den Bauplänen und Berechnungen zu dem Minisatelliten arbeiten.

Der Satellit würde sich auf seiner Umlaufbahn dem Mond bis auf rund 100 Kilometer nähern. "Die Frage nach Wasser auf dem Mond ist immer noch nicht endgültig geklärt", sagt Eckart. Amerikanische Forscher hatten bereits 1998 im Felsgestein des Mondes Wasseranteile gefunden. Die Menge könnte nach den Ergebnissen der US-Sonde Lunar Prospector ausreichen, um 2000 Menschen ein Jahrhundert lang mit frischem Wasser zu versorgen.

Der neue Satellit soll mit einem Radargerät tief in die Krater am Südpol des Mondes hineinschauen. Eine Kamera könne die Polregion außerdem fotografieren. Auf den Bildern würden Objekte von der Größe eines Autos erkennbar sein.

Das Projekt ist ein europäisches Gemeinschaftswerk. Die englische Universität in Surrey hat die Federführung und würde wegen ihrer Erfahrung mit Kleinsatelliten die Steuerung bauen. Dänen, Schweden und Polen wollen Geräte zur Analyse beisteuern. Die Münchner bauen den Antrieb und den Montagerahmen (Chassis). Dabei hoffen die Bayern auf Hilfe aus Industrie und Forschung. "Wir können den Antrieb ja nicht im Garten testen", sagt Eckart. Hauptziel des Projekts ist die Ausbildung und Motivation junger europäischer Raumfahrttechniker.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat bereits Unterstützung signalisiert. Franz Schlude, Geschäftsführer des Standorts Oberpfaffenhofen, kennt die Pläne und ist beeindruckt von der Qualität der Arbeit. "Es gibt natürlich viel Konkurrenz um die knappen Gelder der ESA." Die Forschung auf dem Mond sei wieder im Kommen.

Die Bilder von LunarSat sollen wie bei der Pathfinder-Mission zum Mars über das Internet in die ganze Welt verbreitet werden. Im Juli 1997 haben Millionen Internet-Benutzer die Bilder der schummrig orangen Marsoberfläche auf ihre heimischen Rechner übertragen. "Den Erfolg wollen wir im kleinen Maßstab wiederholen", hofft Eckart.

Von LunarSat sollen sogar aktuelle Kontrolldaten ins Netz übertragen werden. "Die Menschen könnten sehen, wo, LunarSat’ ist, wohin er fliegt, wie kalt es ist und wie lange er noch zu leben hat", schwärmt Eckart. Nach einem halben Jahr in der Umlaufbahn des Mondes würde die Mission allerdings enden. Dem Satelliten ginge dann der Treibstoff aus.


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