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Rund dreieinhalb Gigabyte Daten, davon allein eine halbe Million Bilder, brachte der Flug des NASA-Space Shuttles "Discovery" den Astrophysikern der Universität Jena ein. Bei der als "John-Glenn-Mission" von großem Medienspektakel begleiteten Unternehmung im vergangenen Oktober hatte die Forschergruppe um Dr. Jürgen Blum eine 90 Kilo schwere Versuchskapsel mit an Bord, um unter Schwerelosigkeitsbedingungen erstmals die Geburt neuer Planeten zu simulieren. Jetzt befindet sich die Apparatur wieder auf deutschem Boden. "Technisch haben die Experimente zu 99 Prozent reibungslos funktioniert", bilanziert Dr. Gerhard Wurm, "aber die wissenschaftliche Auswertung der Daten wird noch mindestens ein halbes Jahr dauern."
Das CODAG-Projekt (Cosmic Dust Aggregation) soll klären helfen, wie Mikrometer kleine Staubpartikeln im Weltall aufeinanderprallen und - als ,Keim' eines neuen Planeten - zu allmählich wachsenden Klumpen zusammenbacken. Bis ein Himmelskörper mit eigener Schwerkraft entsteht, vergehen Tausende von Jahren, bis ein ,ausgewachsener' Planet herangereift ist, Jahrmillionen. Wie solche Wachstumsprozesse in der ersten Phase ablaufen, wissen die Astrophysiker bis heute fast nur aus der Theorie. Fünf Jahre Arbeit und rund 3,8 Mio. Mark hat es gekostet, um die CODAG-Apparatur zu entwerfen und so zu bauen, daß die insgesamt zehn Einzelexperimente automatisch ablaufen können.
Die größte Sorge der Jenaer Wissenschaftler war, daß eine kleine technische Störung den Versuchsablauf total lahmlegen könnte. Denn nicht alles, was auf der Erde technisch simpel erscheint, funktioniert auch im All, und, einmal gestartet, hätte es bei unvorhergesehenen Problemen in der Versuchskapsel auch keine Möglichkeit mehr zum Eingreifen gegeben. So konstruierte das Institut für Datenverarbeitungsanlagen der TU Braunschweig eigens einen hochkomplexen Zentralrechner, der den Ablauf der Experimente gesteuert und alle wissenschaftlichen Daten gespeichert hat. Das Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnik und Mikrogravitation der Uni Bremen baute u. a. eine Batterie, die auch unter den Extrembedingungen im All zuverlässig ihren Dienst tut. "Die Stromversorgung hat 45 Stunden lang gehalten", freut sich Gerhard Wurm, "alles ist völlig planmäßig verlaufen." Auch einige der mit CCD-Stereokameras aufgenommenen Bilder haben die Forscher schon betrachtet. "Erste Aussagen über die Planetenentstehung sind aber erst möglich, wenn man die Bilder im Zusammenhang analysiert", wendet Wurm ein, "das ist genau die Arbeit, die jetzt vor uns liegt." Derzeit werden an der TU Braunschweig die enormen Computerdaten für die Auswertung aufbereitet.